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Engadin by Töff im Winter 1998/99

...die Fussgänger am Strassenrand konnten auf den ersten Blick ihren Augen fast nicht trauen, freuten sich dann aber und klatschten uns zu, wie wir über die verschneiten Dorfstrassen glitten...

Unter diesem Motto standen die Ski- und Snowboardferien in Scuol 1999. Im gesamten Skigebiet hinterliessen wir Kleber mit diesem Spruch. Und um dem Motto auch gerecht zu werden, zeigten wir am Freitag vor der Generalversammlung, was darunter zu verstehen ist.
Die Pisten waren wegen akuter Lawinengefahr noch gesperrt. Die Sonne liess schon früh am Morgen die letzten Wolken verschwinden. Ein wunderschöner Tag zeichnete sich ab. Ein Tag zu schön, um nichts zu unternehmen. Da Röhrich und ich direkt von der Croisière Blanche nach Scuol gefahren sind, hatten wir die Motorräder griffbereit. Die nötige Erfahrung auf Schnee und Eis zu fahren, haben wir uns dort angeeignet. Alle Voraussetzungen stimmten. So machten wir uns und unsere Maschinen startklar.
Durch das Oberdorf über Ftan, Ardez zurück nach Scuol und weiter nach Sent und zurück führte unsere "Croisière Engadina" auf Nebenstrassen durch eine wunderschöne, frisch verschneite Landschaft. Die Fussgänger am Strassenrand konnten auf den ersten Blick ihren Augen fast nicht trauen, freuten sich dann aber und klatschten uns zu, wie wir über die verschneiten Dorfstrassen glitten. Einzig die Fahrer der Schneeräumungsfahrzeuge mussten uns, ihrer Reaktion wegen, für total verrückt halten. Auch der Polizist, der Eingangs Scuol den Verkehr durchs Unterdorf umleitete, hatte etwas Mühe, die Situation bei unserer Vorbeifahrt zu erfassen. Woran das wohl liegen mag? So kamen wir auch noch in den Genuss, uns im Unterdorf von Scuol zeigen zu können.
Am Nachmittag war immer noch nichts mit Ski- oder Snowboardfahren. So knüpften wir unsere Abschleppseile an Röhrichs Motorrad. Am anderen Ende sollten Men und Mathé auf ihren Snowboards hinterher gezogen werden. Nach einigen Versuchen klappte es auch ganz ordentlich. So beschlossen wir, an der Viva-Bar, dem wichtigsten Treffpunkt in der Nähe der Skistation, vorbeizufahren. Da die Pisten noch immer geschlossen waren, hielten sich besonders viele Personen in der Bar mit direkter Sicht auf die Strasse, auf.
Um die ganze Aktion zu dokumentieren, folgte dem Gespann Power Pit mit seinem Volvo durch dessen Dachfenster ich alles im Visir einer Videokamera verfolgte. Bei der Vorbeifahrt begann das Volk in und um die Bar zu jubeln. Nur wenige Zentimeter an der Stützmauer vorbei, schliff Men um die gleich nach der Bar kommende Linkskurve herum. Dem Volk hat's gefallen. Weiter fuhren wir Ftan entgegen und überholten dabei sogar einen Lastwagen, dessen Fahrer, aufgrund seiner Reaktion, wohl die Welt nicht mehr verstehen konnte.
Etwas vor Ftan wechselten wir das Zugfahrzeug. Mathé und Men hielten sich für die Rückfahrt am Spoiler des Volvo fest. So fuhren wir zurück, wiederum an der Viva-Bar vorbei, was auch prompt wieder zur erwarteten Reaktion führte.
Nach der ganzen Aktion, die sich wie ein Lauffeuer durch ganz Scuol bis zur Bergstation herumsprach, brachten Mathé und Men ihr Brett zum Service, worauf die Person, die die Bretten in Empfang nahm, nur meinte, Snowboards seien nicht gemacht, um auf der Strasse zu fahren...
Auf jeden Fall sorgten wir für Gesprächstoff und zeigten, dass wir aus jeder Situation das Beste machen. Dem eingangs erwähnten Motto sind wir sicher gerecht geworden, auch wenn es weniger gerollt und vielmehr geschliffen hat...

Stephan Kaufmann

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 08. Februar 2010 um 14:27 Uhr